Verein

Geschichte

Geschichte der Brauchtumsgruppe Schwaz

Bereits im Jahre 1973 fanden sich 10 Mann der Kolpingfamilie Schwaz zusammen um bei dem vom Schnapperwirt Alfred Lechner organisierten Faschingeingraben als Schellenschlager mitzuwirken. Damals wurde der Fasching gleich zweimal eingegraben und zwar von den „Dörflern“ und von den „Studenten“. Die Dörfler marschierten vom „Schretterladerl“ am Lahnbach und die Studenten vom Gasthof „Kiesling“ weg zum Inn, um dort den „Naz“ brennend in den Inn zu werfen.

Das Jahr 1978 war das eigentliche Geburtsjahr der Brauchtumsgruppe Schwaz. Reinhard Hechenblaickner ließ die Idee nicht mehr los das Brauchtum rund um den Fasching wieder aufleben zu lassen um somit den Einwohnern von Schwaz das bunte Treiben näher zu bringen. Gemeinsam mit seinen Freunden, Walter Brunner, Adolf Geisler, Helmuth Geisler, Roman König, Erich Schöser und Josef Michaeli gründete er die Brauchtumsgruppe Schwaz. Für die Vorbereitungen blieb nicht viel Zeit, aber dennoch wurden bereits 4 Zottler und 2 Hexen ausgerüstet die im Fasching 1979 den ersten, vielbewunderten Auftritt hatten. Die Begeisterung war so groß, dass auf Grund der Nachfrage für den Fasching 1980 weitere 11 Zottler, 1 Kletzler, 1 Zaggeler, 6 Melcher und 1 Zugspieler dazukamen.

1980 war auch das Jahr in dem erstmals das Faschingseingraben, entsprechend der Tradition, von der Brauchtumsgruppe organisiert wurde. Am Abend des Faschingsdienstag bewegte sich der „Trauerzug“ vom Gasthof Schnapper in der Falkensteinstraße über den Lahnbachbühel durch die Franz-Josef-Straße zum Stadtplatz wo die „offizielle“ Verabschiedung durch die 1. Schwazer Faschingsgilde begleitet von der Knappenmusik und der Brauchtumsgruppe stattfand. Anschließend bewegte sich der Zug unter großem Wehklagen zur Steinbrücke wo der Fasching zuerst „erhängt“ dann „angezündet“ und zum Schluss im Inn „versenkt“ wurde.





1981 wurde die Brauchtumsgruppe wieder vergrößert. Es gelang die Hauptmaske, den „Spiegeltuxer“ fertig zustellen und in die Gruppe einzubauen. Jetzt war die Gruppe bereits auf 25 „Muller“ angewachsen und nahezu komplett.





Der Tradition verbunden entschlossen sich Reinhard Hechenblaickner und seine Kollegen auch eine Schellenschlagergruppe ins Faschingsleben zu rufen. Auch dies gelang im Jahr 1981 und so marschierten die Schellenschlager, mit Holzmasken ausgerüstet, dem Faschingszug voran durch Schwaz.





Im Gründungsjahr entschloss man sich alle 5 Jahre in Schwaz einen großen Faschingsumzug zu organisieren. 1983 war es zum ersten mal so weit, und man konnte 32 Gruppen und 3 Musikkapellen mit insgesamt 550 Personen von Volders bis Jenbach in Schwaz begrüßen.





All dies war der Brauchtumsgruppe aber noch nicht genug, fehlten doch noch der „Braunbär“ mit dem „Treiber“. Wieder unternahm die Gruppe um Reinhard Hechenblaickner alle Anstrengungen um auch diese Masken zu ergänzen. Dies gelang im Fasching 1985 und somit waren die Schwazer Muller „komplett“ und mittlerweile auf 31 Mitglieder angewachsen.





Nachdem das Brauchtum im Vordergrund steht wurde im Jahr 1986 die Krampusgruppe gegründet die seither das Krampuslaufen am 5.Dezember und den Nikoloeinzug am 6.Dezember organisiert. Zur Zeit besteht die Gruppe aus ca. 35 wilden Gesellen die jedes Jahr die Schwazer Bevölkerung vor der Stadtpfarrkirche mit ihrem Auftritt erfreuen.





1991 gelang es den Studenten der Brauchtumsgruppe den „Naz“ zu stehlen. Somit stand seit 1980 das erste mal das Faschingseingraben auf dem Spiel. Mit 50l Bier konnte allerdings das Treiben gerettet werden.





Dass das Brauchtum vor keinem Alter halt macht zeigte sich schon im Jahr 1996. Die „Altmuller“ rückten in diesem Fasching das erste mal mit den „Jungmullern“ aus, genauer gesagt, 3 „Jung-Zottler“ im Alter von 8 - 10 Jahren. Die „Jungen“ waren mit einer solchen Begeisterung dabei, dass bereits 1 Jahr später, im Fasching 1997, eine eigene „Jungmuller-Gruppe“ von 11 Kindern unter der Führung von Roland Kirchmair im Alpbachtal als Hexen, Zottler, Zaggeler, Melcher und Spiegeltuxer, ihren ersten großen Auftritt hatten.

Der Zulauf zu den Jungen hielt unvermindert an und so zählt die „Jungmullergruppe“ der Brauchtumsgruppe Schwaz zur Zeit 35 Kinder im Alter von 3-14 Jahren.





In den letzten 30 Jahren erlebte die Brauchtumsgruppe viele Höhepunkte (z.B. Auftritt am Tirolerball in Wien, einzige Mullergruppe neben den Mullern der MARTHA-Dörfern beim „Mullerschaugn“ im Kongresshaus in Innsbruck).

Leider ist neben den vielen schönen Erlebnissen aber auch ein trauriges Ereignis zu erwähnen. Im Jahr 1996 verstarb Markus Wallenta am 26. Februar an den Folgen eines tragischen Brandunfalls nach einem Auftritt. Aufgrund des Vorfalls wurde seitens der Brauchtumsgruppe der Auftritt am Unsinnigen und das Faschingseingraben am Faschingsdienstag abgesagt.





Zur Zeit sind es 128 aktive Mitglieder die sich in 23 Schellenschlager, 70 Altmuller und 35 Jungmuller aufteilen. Der Brauchtumsgruppe. ist es ein vorrangiges Anliegen das Brauchtum in Tirol, speziell das Brauchtum in Schwaz, zu erhalten und dieses Kulturgut an die Jugend weiterzugeben.





Obmänner:

1978 – 1996 Reinhard Hechenblaickner

1996 – 1999 Robert Klausner

1999 – 2002 Stefan Hechenblaickner

2002 – 2003 Erich Schröck

2003 - 2011 Alexander Jordan

seit 2011 Häusler Christoph


Der Auftritt

Der Auftritt

Der Schwazer Auftritt unterscheidet sich von den anderen Gruppen insofern, als er immer von den Bären, ein brauner und ein weißer Bär und deren Treibern eröffnet wird. Danach kommen die Hexen, die den Platz freimachen für den Kampf der Bären bei dem der Braunbär gewinnt und somit den Sieg des Frühjahres über den Winter symbolisiert. Mit lauten Klängen und mit wilden Bewegungen kommt der Kletzler in den Raum um die Aufmerksamkeit auf die restlichen Muller zu lenken. Danach „trestern“ die Zottler, sie verkörpern den Winter, die Zaggeler (Herbst), der Weiße (Frühling) und die Melcher und Spiegeltuxer (Sommer) in den Raum. Erst nach dem „Plattler“ der Melcher und Spiegeltuxer und dem „Frosch“ – der Weiße besteigt und besiegt den Zottler und symbolisiert somit den Sieg des Frühjahres über den Winter - darf „abgemullt“ werden. Im Anschluss daran ruft der Zugspieler zum „Mullerwalzer“ dem alle Figuren mit Ausnahme der Bären und deren Treiber folgen. Nach dem Walzer werden die Masken abgenommen und die „Muller“ trestern aus dem Raum. Den Abschluss bilden die Kletzler die den Auftritt mit viel „Lärm“ beenden.

Smpole und Gesten

Symbole und Gesten

Bedeutung des Spiegels

Die Spiegel im Kopfschmuck sollen den Dämonen des Winters ihre Hässlichkeit und Grausamkeit zeigen. Dadurch soll der Winter durch die eigene Abschreckung vertrieben und dem Frühling Platz gemacht werden.
Weiderute

Symbol für das werdende Frühjahr. Die Weide ist eine jener Pflanzen, die im Frühjahr zuerst Knospen treiben. Mit Hilfe der gebogenen Weidenrute werden die „Abzumullenden“ eingefangen.
Peitschenschnöllen

Durch den lauten Knall soll der Winter vertrieben du dem Frühling platz gemacht werden.
Schellenschlagen

Durch den eigenen Rhythmus und dem lauten Klang soll der Winter vertrieben und außerdem den Mullern Platz für deren Aufführung gemacht werden.
Abmullen

Bei Männern wird mehr oder weniger sanft oder auch mehr oder weniger kräftig mit der Hand die Schulter berührt – das „Abmullen“ soll Glück und Fruchtbarkeit vermitteln. Den Frauen fährt der Zottler mit der Hand durch das Haar und zerzaust es. Auch das ist mit der gleichen Symbolik, „Fruchtbarkeit, Gesundheit, gutes Gedeihen“ verbunden.

Nach dem Abmullen – und dies machen alle „Muller“ – bekommt der Abgemullte einen Schluck Schnaps aus der Flasche angeboten. Kinder bekommen Süßigkeiten.

Früher wurde übrigens kein Schnaps angeboten, sondern es kamen Äpfel und Nüsse zur Verteilung



Bärenkampf

Der Kampf der Bären symbolisiert den Kampf „Frühling gegen Winter“. Am Ende liegt der weiße Bär am Rücken, der braune Bär sitzt auf dessen Bauch und streckt triumphierend die Arme in die Höhe als Zeichen des Sieges des Frühlings über den Winter.



Frosch

Hierbei kniet sich der Zottler nieder und beugt seinen Oberkörper nach hinten, bis er mit der Schulter und dem Kopfschmuck den Boden berührt. Anschließend steigt eine Frühlingsfigur (normalerweise der „Weiße“) auf die Brust des liegenden Zottlers und symbolisiert somit den Sieg des Frühlings über den Winter.

Wird der „Frosch“ vor dem Abmullen eines Zuschauers gemacht, ist dies eine besondere Ehrerbietung.



Mullerwalzer

Ursprünglich wurde der Walzer als Dank für die Hilfe bei der Herstellung der Masken (Nähen der Kostüme) mit der Liebsten getanzt.

Geschichte der Muller

Geschichte der Muller

Das Mullerlaufen





1. Geschichtliches

Das Ende der Fastnachtszeit markiert aber auch den Übergang vom Winter zum Frühling, und so finden wir in den Fastnachtsbräuchen verschiedene Elemente eines scheinbaren Winteraustreibens und Frühlingsanfangs. Damit verbunden wurde lange Zeit die mythologische, fruchtbarkeitskultische Interpretation in den Vordergrund gerückt. Die in den Tiroler Fastnachten häufig anzutreffenden "Wilden Männer" mit Baumbart oder Kranewitt verhüllte Gestalten, galten sogar schon im Mittelalter als beliebte und häufig gebrauchte Masken. Auch die Figur des Bären trat bereits bei höfischen Festzügen auf. Betrachtet man nun noch bestehende und bereits abgekommene Tiroler Fastnachten, so spricht vieles dafür, dass dem spielerischen Moment in diesen wie in vielen anderen Bräuchen eine wesentliche Rolle zukam und -kommt.
Somit können Fastnachtsbräuche als eine Form des Schauspiels gesehen werden, das den Menschen einmal im Jahr ermöglicht, in eine andere Haut, eine andere Rolle zu schlüpfen.

Der Name „Muller“ kommt aus dem Mittelhochdeutaschen und bedeutet einen herabhängenden Mund, ein finsteres Gesicht machen.

Die MARTHA Dörfer, (Mühlau, Arzl, Rum, Thaur und Absam) gelten als Ursprung der Muller und Matschgerer, jedoch hat jedes Dorf seine eigenen Traditionen und Gebräuche beim "Mullerlauf". Zentrales Motiv dabei ist das „Mullen“ und ein Tanz, bei dem sich alle wichtigen Figuren dieses Brauchs beteiligen, also die Zottler, Zaggeler, Weißen, Melcher und die Spiegeltuxer.
Die ersten Nachrichten von diesen Bräuchen in Rum, stammen aus dem 17. Jahrhundert. Wahrscheinlich nicht ohne Grund sind es Beschwerden der Behörden über die angebliche oder tatsächliche Zügellosigkeit bei "Maskeraden" und "Mummereien".





Die Anfänge des Mullerlaufens liegen im "Huttlerlauf". Huttler bezeichnete man zu jener Zeit Menschen in zerfetzter oder mit Lappen besetzter Kleidung. Sicherlich sind so manche der Kostüme auch entstanden. Heute sind es aber kunstvolle Gewänder, zu denen jeweils entsprechende Masken und Kopfschmuck gehören.





Die Stadt Schwaz ist, geografisch gesehen, der letzte Ort im Unterinntal in dem das Mullerlaufen in dieser Form durchgeführt werden darf.













2. Sinn und Zweck des Mullerumzuges
An erster Stelle steht einmal die Erhaltung und Pflege des Brauchtums mit Einfallsreichtum, Phantasie und Spielfreude, um den Umzug in lebendiger Form zu erhalten.

Außerdem aber hat der Muller-Umzug auch eine sozialpsychologische Funktion, die wohl kein Außenstehender jemals voll und ganz begreifen und verstehen wird. Am ehesten kann man es so umschreiben: Der Muller-Umzug ist nicht so sehr ein kalkuliertes Schauspiel, sondern vielmehr Selbstdarstellung und Selbstzweck. Was den Muller-Umzug so sympathisch und mitreißend macht ist, dass alle mit Leib und Seele und viel „Gaudi“ mitmachen.

All das unterscheidet den Muller-Umzug auch von so manchen anderen Faschingsveranstaltungen, und genau das macht ihn so unmittelbar und lebendig, so urwüchsig, ausgelassen und einzigartig.

So ist der Umzug in seiner Tradition nicht nur ein wertvolles Tiroler Geschichts- und Kulturgut, sondern vor allem ein ganz lebendiges und wesentliches Stück der Orte, Teil und Ausdruck seiner Bewohner und ihrer Eigenart und Lebensfreude.





3. Faschingsbeginn und -ablauf
Laut rheinländischer Brauch beginnt der Fasching alljährlich am 11. November um 11:11 Uhr. In den alpenländischen Regionen beginnt die Fasnachtszeit am Tag nach dem Dreikönigsfest, also am 7. Januar, das allerdings wissen die Wenigsten. Die Schwazer Muller halten sich an diesen Brauch und beenden das Faschingstreiben am Faschingsdienstag indem sie den „Naz“, wie schon seit 1980, an der Steinbrücke „erhängen“, „anzünden“ und im Inn „versenken“.

Masken der Muller

Masken der Muller

Die Figuren
Die Schwazer Muller unterscheiden sich von den anderen Mullern in vielerlei Hinsicht. Nicht unbedingt in der Kostümierung, jedoch in ihrem Auftritt und in ihrer Mullerei. 
Die Schwazer Mullerfiguren sind die Bären, die Bärentreiber, die Hexen, der Klötzler, der Zottler, der Zaggeler, der Weiße, der Melcher und der Spiegeltuxer.

Die Figuren stellen auch die einzelnen Jahreszeiten dar. So verkörpert der Zottler und der Kletzler den Winter, der Zaggeler den Herbst, der Weiße das Frühjahr und der Melcher und Spiegeltuxer den Sommer.

1/ Bären

Viel Wirbel und Aufregung, viel Geschrei,

Lachen und auch ein bisschen Angst lösen

Bären und Bärentreiber bei den Zuschauern

Aus. Der zottelige Bär will sich mit wildem

Brummen auf die Zuschauer stürzen

und der Bärentreiber versucht, den an der

Kette hängenden und zerrenden Bären zurückzureißen. Ein ständiges Zerren und

Reißen, Kämpfen und auf dem Boden Wälzen,

wildes Kampfgeschehen nach allen Seiten,

Kampf zwischen Treiber und Bär und

manchmal auch zwischen den Bären

untereinander, wenn mehrere Bären in

der Gruppe getrieben werden.





Die Bärengruppe erinnert an die Landfahrer

früherer Zeiten, die mit lebenden Tanzbären

durch die Lande zogen und sich zur Schau

stellten.





Die ursprünglichen Gestalten der Muller dürften wohl die dämonischen Hexen gewesen sein, die sehr stark an die Perchten in anderen Alpengebieten erinnern. Sie kommen dem zentralen Sinn des Brauches, dem Winteraustreiben am nächsten.

2/ Hexen

Es sind die Hexen die den Platz frei machen für die folgenden Zottler, Zaggeler und Tuxer.





Mit Reisigbesen kehren sie den Platz und oft auch die Schuhe der umstehenden Zuschauer. Sie „kehren das Böse weg“, sind aber auch etwas tückisch, wenn sie den Zuschauern einen extra „stark angesetzten“ Schnaps anstatt dem traditionellen Schnapsl anbieten. Sie geben ihrer Freude lautstark Ausdruck wenn das angebotene Getränk dem Trinker zusetzt.

Sonst begehen die Hexen keine Grobheiten, ihr Werkzeug ist der „Reisigbesen“ und die Schnapsflasche – sie sind gewissermaßen die Stimmungsmacher für den folgenden Mullerauftritt. Das „Gwand“ der Hexe besteht entweder aus einer alten Tirolerischen Tracht, oder sie ist ganz einfach in Lumpen gehüllt, auf keinen Fall fehlt das Fransentuch, das mit Maske, Hut und angenähten Haaren ein ganzes bildet.





3 / Kletzler

Das Gewand besteht aus hunderten

Holzschindeln und ist somit eines der schwersten.

Die Maske der Kletzler ist ähnlich

furchterregend wie die des Zottler.

Der Kopfschmuck besteht aus

Truthahnfedern.





Es braucht viel Kondition um durch die schnellen Bewegungen den typischen Lärm dieser Figur zu erzeugen.





Sie sollen den Winter vertreiben und

den nachfolgenden Mullern Platz machen.

4/ Zottler

Die wohl wichtigste Figur neben den Tuxern ist der Zottler. Es ist die berühmteste und wildeste Figur die in abgezirkelt wirkenden Bewegungen, lärmend, stampfend und springend auftreten. Die Zottler stellen einerseits wilde Winterfiguren dar. Die Maske ist ein furchterregendes Gesicht, das uns zeigt, wie sehr die Menschen früher den Winter fürchten mussten. Andererseits aber sind sie jene Figur, die mit dem „Abmullen“, den mythischen Fruchtbarkeitskult ausüben. Im Grunde ist dies das wichtigste Ereignis dieses Brauchtums, alles andere bildet den Rahmen dazu.

Er trägt von allen Mullern mit Ausnahme des Tuxers den größten Kopfputz. In früheren Jahren trugen sie einen einfacheren Federnschmuck, nur einige am Hut, rückwärts hinausstehende, Hahnen- und Pfaufedern. Heute hingegen gibt es außer diesen, überwiegend die Zottler mit dem „Radl“ am Hut. Dabei wird auf einer Seite ein aus Pfauenfedern prächtig gestalteter Fächer und auf der anderen Seite ein Fuchsfell angebracht.





Die Zotteln - aus Rupfensäcken ausgezogene Fransen - werden auf ein altes Gewand aufgenäht. Meist wird diese Arbeit von einem Mädchen verrichtet, das dem betreffenden Burschen nahe steht. Die Farbe der Zotteln ist unterschiedlich, allerdings wird bei den Schwazer Mullern darauf geachtet, dass nur Naturfarben verwendet werden.





Die Zottler tragen noch eine „Geißel“ mit, das ist ein gezopftes Hanfseil, das noch mit einem dünneren Hanfstrick umflochten ist und ursprünglich das Zugseil eines Pferdegeschirres war.

5 Zaggeler

Der Zaggeler trägt wie der Zottler einen Schrägputz, nur bei weitem nicht so einen großen. Statt der Pfaufedern werden hier schwarze Gockelfedern verwendet.

Sein Gewand ist blau und auf und auf mit bunten Wollknäueln und Schellen besetzt. Das Kopfstück wird von einem Tuch abgeschlossen, das aus demselben Stoff ist, wie das Gewand, während der Zottler ein buntes Tuch trägt.

Das Gesicht des Zaggelers ist männlich, aber freundlich, was ja besonders gut zum Herbst passt.

Statt der Geisel hat er einen Weidenstock als Symbol für das werdende Frühjahr. 
Im übrigen führt der Zaggeler die gleichen Muller-Rituale aus wie der Zottler.

6 / Weiße

Der Weiße gleicht dem Melcher und

ist die beweglichste Figur.

Statt der Lederhose trägt er eine weiße,

bestickte Hose und ein Schultertuch.

In den Händen hält er eine Weidenrute,

mit der er die Zuschauer einfängt,

um ihnen den Mullerschlag zu verpassen.

7/ Melcher

Die Weide ist die erste Pflanze, die am

Jahresanfang Knospen austreibt.





Der Melcher vermitteln eine heitere Stimmung, wenn sie springend, tanzend und schuhplattelnd seine Aufführungen bei den Umzügen darbietet.

Der Melcher fällt durch sein schönes Jugendgesicht mit Schnurrbart auf.





Er ist recht luftig gekleidet, wie es zum Sommer gehört. Ein weißes Hemd mit aufgekrempelten Ärmeln, eine Lederhose, bestickte Hosenträger,

ein dazu passendes Halstuch, gestrickte Wadelstutzen, grobe Halbschuhe und eine Leibbinde (Ranzen) mit besticktem Blatt.





Sein Kopfputz ist klein. Es ist ein Zillertalerhut geschmückt mit goldener Quaste, Seidenblumen, Glasfedern ("Glasbarteln") und Gockelfedern.

Oftmals ziert auch ein besonders schöner

Spielhahnstoß den Kopfputz.

Die Maske stellt ein liebliches, fröhliches, jugendhaftes Gesicht dar.

8 / Spiegeltuxer

Mit den Spiegeltuxern treten die heiteren, lustigen Figuren in den Reigen des Muller-Treibens. Begleitet von der Musik eines Ziehharmonika-Spieler, bringen sie nach den wilden und dämonischen Zottlern, den „Sonnenschein“.

Der berühmte Spiegeltuxer ist die Vornehme und seltene Ausgabe des Melchers.

Er trägt über dem Hemd einen Tuxer-Janker mit Schultertuch. Auf der Brust trägt der Spiegeltuxer voll stolz einen Wams mit dem Tiroler Adler.





Das auffällige an ihm aber ist der Kopfputz, der zwischen 10 und 14 Kilo wiegt. Das hohe Gewicht der Maske, und der bis zu 120 Zentimeter hohe Aufbau, lassen kaum allzu schnelle Bewegungen zu. Von dem Träger einer Spiegeltuxer Maske wird viel Kraft, vor allem in den Nacken-Muskeln, viel Gleichgewichts- und tänzerisches Gefühl verlangt.

Der mächtige Aufbau ist außen herum mit mehreren hundert weißen Gockel- und Spielhahnfedern verziert.

Die Vorderseite ist geschmückt mit Glasperlen, vielen bunten Blumen und einen Spiegel, der die Macht des Bösen blenden soll.





Die Rückseite des Kopfschmuckes ist mit bunten Bändern und Wappen behängt.





Die fröhlichen und jugendlichen Spiegeltuxer mit ihrem prachtvollen Kopfschmuck, erinnern an den festlichen Almabtrieb im Herbst.





9 / Schellenschlager

Bezeichnendes und namensgebendes Brauchrequisit sind die Schellen, die von den Brauchträgern mit einem breiten Gürtel (= Hüftgurt) um den Leib getragen werden. Bei ihrer Aufführung gehen die Schellenschlager in einer bestimmten Schrittfolge hintereinander und „läuten“ ihre Schellen nach einer eigenen Schlaganzahl. Kostümiert sind sie von Ort zu Ort ganz unterschiedlich – wesentlich ist allerdings, dass jede Gruppe einheitlich gekleidet ist. So erkennt man etwa die Schellenschlager der Brauchtumsgruppe Schwaz an ihren weißen Hemden, Lederosen, ihren Zipfelmütze und, als einzige Schellenschlager in der Region, mit ihren Halbmasken aus Holz.





Der Vorläufer, oder auch „Schlaghexe“ genannt, kündigt vornweg das Kommen der Schellenschlager an, macht mit Sprüngen und einem Besen nicht nur den Weg für die Schellenschlager frei, sondern gibt auch den Takt vor. 

Die Schelle war noch im Mittelalter ausschließlich dem Adel vorbehalten: Kleine Schellen schmückten die vornehme Kleidung. Im Laufe der Zeit kam diese Zier in Verruf. Zu laut und aufdringlich erschien sie nicht zuletzt beim Kirchenbesuch. Und so „mutierte“ das einst so elitäre Requisit zum Gegenstand des närrischen Treibens in der Fastnachtszeit...